Männer und die neue Eitelkeit
„Ich war gestern mit meinen Kumpels unterwegs und habe erzählt, dass ich mir Badekonfekt gekauft habe.“ erzählte mir ein Freund mit einem Lächeln, um gleich darauf mit zu teilen, dass er für seinen Einkauf als „gay“ tituliert wurde. Er selbst amüsierte sich über das entgegengebrachte Unverständnis. Denn heute sei es doch selbstverständlich, dass man(n) sich pflegt und sich auch mal etwas gönnt. Und er hat Recht wie ich finde. Es gehört kein Mut dazu sich gut aussehend und gepflegt zu zeigen.
1985 wurde die erste Männerkosmetiklinie von Lucien Aubert (Biotherm) auf dem Markt etabliert. Man startete mit einer Aftershavecreme, verpackt in einer unscheinbaren grauen Tube. Das Besondere war, dass sie weder brannte noch Schmierspuren auf der Haut hinterließ. Schnell war ein Erfolg und steigende Nachfrage zu vermelden, was natürlich von anderen Kosmetikunternehmen nicht unbemerkt blieb. Firmen wie Nivea, Clinique, Clarins, Shiseido, Lancôme oder Vichy griffen den Trend für sich auf und schafften sich eine zweite Identität im Männersegment; mit Erfolg. Von der preisgünstigen Grundausstattung bis zur hochpreisigen Luxuspflege kann man(n) sich mit allerlei Tiegeln, Tuben und Flaschen eindecken.
Das Design von Männerkosmetik ist meist schlicht in den gängigen Männerfarben schwarz, grau, blau und weiß gehalten. Selten mischt sich einmal ein kräftiges rot oder gelb dazwischen. Der Inhalt jedoch verspricht mehr als nur ein wohliges Gefühl auf der rauen Männerhaut. Feuchtigkeitsspendende Fluide nach der Rasur, reichhaltige Anti-Aging-Cremes mit Hyaluronsäure und vielen wertvollen Inhaltsstoffen wie Kollagen, Retinol, Vitaminen und Mangan.
Doch nicht nur Frauenkosmetikfirmen bieten Männerlinien an. Zirh ist seit 1995 eines der erfolgreichsten Männerkosmetikfirmen aus New York City und vertreibt seine Produkte bereits in zahlreichen europäischen Shops. Mit diesem Schritt wird deutlich welche Zukunft dieser Markt bietet und dass entgegen vieler Gerüchte und Vorurteile die männliche Nachfrage steigt.
„Du, ich leg mich dann jetzt mal in die Badewanne und mache ein Peeling!“ las ich noch vor ein paar Tagen als ‚Be right back‘ Message in einem Chatfenster auf meinem Bildschirm. Da wundert man sich doch noch ein bisschen, um danach mit einem zufriedenen Grinsen das Fenster zu schließen.
Das Selbstverständnis der Männer ist immer mehr zu einer Mischung aus Gladiator und Adonis geworden. Einerseits der täglich kämpfende Ernährer im Kampf um Ruhm und Ehre. Andererseits der belesene Schöngeist mit Hang zur Eitelkeit.
Aber wo befindet sich die Grenze der Männlichkeit? Wie nehmen Männer und Frauen die neue Körperkultur des männlichen Geschlechts wahr?
Dieses Thema löste auch in unserer Redaktion Diskussionen aus: „Es verwenden ja viele Männer Make-up, aber ehrlich gesagt, habe ich lieber einen Pickel im Gesicht als einen Deckstiftfleck!“ ließ einer der Kollegen verlauten. Gleichzeitig machte er klar, dass er es vollkommen in Ordnung findet, wenn Männer Teint korrigierende Kosmetik verwenden. Wieder ein anderer Kollege meinte: „Schließlich verwendet man Make-up auch zum Kaschieren von Krankheitsbildern, wie Schuppenflechte und Neurodermitis.“
Autor: Janna









Guter Bericht und ein tolles Video dazu! Jetzt weiß ich auch endlich, wie die Männer auf den Laufstegen so markant aussehen! Obwohl ich das für mich niemals so schaffen werde *gggggg*